Am Abend vor unserem Abflug nach Dublin sah es noch einmal kurz so aus, als würden wir nur zu viert reisen. Als nämlich während des Online Check In Verfahrens die Gültigkeit unserer Ausweise abgefragt wurde fiel Tina auf, dass ihrer am 01.03. ablaufen und damit nicht mehr für die Rückreise reichen würde. Einen vorläufigen Personalausweis, der für unser Vorhaben locker gereicht hätte, bekommt man natürlich nur in der Stadt in der man auch gemeldet ist. Da Tina nun aber nicht in Mannheim gemeldet ist, gerieten wir Freitag früh um acht in die Mühlen der deutschen Bürokratie, beantragten eine Passermächtigung in Berlin, ließen ein paar nicht besonders hübsche, dafür aber besonders biometrische Fotos machen und bekamen schlussendlich einen vorläufigen Reisepass. In Relation zu unseren super spar Flügen war dieses kleine Grüne Stück Pappe denn doch ein recht teures Vergnügen…
Wir landeten Freitagabend kurz nach 19 Uhr Ortszeit und entschieden uns, clever wie wir nun mal sind, statt dem 6€ teuren Touriabzocker-Flughafenshuttle lieber den normalen Linienbus für nur 2,20€ zu nehmen. Da dieser nur wenige Meter vor unserem Ziel, dem Isaacs Hostel hielt, konnten wir uns also direkt am ersten Abend ins Dubliner Nachtleben Publeben stürzen.
Die irische Lebensart ist eine völlig andere als die deutsche. Die Werbung After Work is Guinness Time
scheint sich der Großteil der Iren zur Maxime gemacht zu haben. Soll heißen absolut jeder Pub ist bis an seine Kapazitätsgrenzen voll mit (nicht minder vollen) Iren. Die Stimmung in den Pubs ist dafür absolut super. In vielen geben Livemusiker auf Gitarre und Flöte typische Volksmusik zum Besten in der es meistens um Bier und Pups und Nationalstolz geht. Dekoriert ist nahezu jeder Pub (zumindest in Dublin) mit Werbung für Guinness, den ganzen Stolz der Dubliner, und allem was mit Rugby, der Nationalsportart Nummer eins, zu tun hat.
So sind wir also gleich an unserem ersten Abend von Pub zu Pub geschlendert und haben hier und da ein frisch gezapftes Guinness getrunken. Die unheimlich hohen Lebenshaltungskosten von Dublin schlagen sich allerdings auch im Bierpreis nieder. Je weiter wir Richtung Innenstadt kamen, umso teurer wurde auch das Bier. Das erste Pint (ein Glas voll, 0,5 Liter) bekamen wir noch für 4,40€ das zweite kostete schon 5,50€ und im berühmten Temple Bar Viertel zahlten wir unglaubliche 6,10€.
Da ein Wochenende kurz ist und wir alle möglichst viel erleben wollten, verließen wir unser gemischtes 16 Personen Zimmer schon sehr früh am Samstag Morgen. Am schwarzen Brett des Hostels hatte ich eine Free Tour
durch Dublin ausfindig gemacht die sich als äußerst gute Entscheidung erwies. Eine junge Studentin des Trinity Colleges führte uns über drei Stunden durch die Geschichte Dublins und zu den Sehenswertesten Gebäuden. Der letzte Tourstop war St Stephens Green, ein sehr schöner Park. Grade als unser Guide über das gegenüberliegende Shephard Hotel sprach hielt sie kurz inne und wurde auf einmal ganz nervös.Oh my god, oh my god, the irish national rugby team!
Rugby ist für Irland was für Deutschland Fußball ist. Und an diesem Nachmittag sollte das äußerst wichtige Spiel Irland gegen England im Six Nations Cup
stattfinden. Und nur wenige Stunden vor Anstoß (heißt das beim Rugby überhaupt so?) ist die Nationalmannschaft direkt an uns vorbei gelaufen! Ein absolutes Highlight!
Da es unmöglich ist sich dem irischen Rugbywahn zu entziehen, zog es auch uns an diesem Nachmittag vor eine Videoleihnwand in einem Pub. Auch wenn wir nicht alle Regeln verstanden, so war doch die Stimmung das eigentliche Erlebnis. Gejubelt wurde nicht nur für Irland, sondern auch für England und überhaupt hatte ich den Eindruck, dass weniger der Sieg, als vielmehr die Freunde an dem Spiel und dem Zusammensein im Vordergrund stand.
Nachdem es Samstagabend dann doch etwas später wurde, ließen wir den Sonntag ruhiger angehen. In Anbetracht der Tatsache, dass wir für die Nacht von Sonntag auf Montag kein Zimmer mehr haben würden, konnte es nicht schaden eine Stunde länger zu schlafen. Diesmal ging es in die Andere Richtung der Stadt in das Guinness Storehouse. Gebaut wie ein riesiges Bierglas wird man über fünf Etagen durch die Geschichte und den Herstellprozess des schwarzen Goldes geführt bevor man in der Gravity Bar
in der siebten Etage die fantastische 360° Aussicht über Dublin genießen kann. Da Marchs Libary
leider geschlossen hatte und uns der Eintritt in die St. Patricks Church
zu teuer war irrten wir ein wenig planlos in der Stadt umher, bevor wir und gegen 20 Uhr entschieden ins Kino zu gehen um Zeit rumzukriegen.
Vicky Christina Barcelona bietet seichte Unterhaltung ist aber schon ziemlich speziell. Mir hat er gut gefallen, aber ich denke das geht nicht jedem so. Nach dem Film mussten wir leider feststellen, dass sonntags alle Pubs zwischen zehn und elf Uhr schließen. In Verbindung mit der Tatsache, dass unser Bus erst Montag früh um fünf fuhr, ergab sich daraus für uns ein gewisses Problem. Nach einiger Zeit im Restaurant zum goldenen M kamen wir unter einem Vorwand doch noch einmal in unser Hostel und konnten die letzten Stunden bis unser Bus fuhr auf den Couchen im Gemeinschaftsbereich verbringen. Den Rückflug habe ich fast komplett verschlafen um wieder ein wenig Kraft zu schöpfen, denn als Verantwortungsbewusste Studenten sind wir natürlich direkt vom Flughafen in die BA gefahren.
Ein sehr schönes Wochenende war es gewesen. Ein wenig teuer, ja und auch ein wenig anstrengend, aber ich würde jederzeit gerne wieder nach Dublin.
Eric on März 4th 2009 in Allgemein