Wie ihr euch sicherlich schon fast gedacht habt, gab es im Krankenhaus natürlich doch kein Internet. Warum hätte man mir auch ein bisschen Spaß gönnen sollen?! Dadurch musste meine „Live-Übertragung“ leider ausfallen, was, im Nachhinnein betrachtet, aber vielleicht gar nicht so schlecht war. Teilweise ging es mir echt dreckig und da hätte ich wahrscheinlich nur unnötig Angst und Sorgen verbreitet. Inzwischen bin ich so gut wie schmerzfrei und auch schon wieder fast so hübsch wie vor*her. Dennoch möchte ich euch meine Gedanken während meines Krankenhausaufenthalts natürlich nicht vorenthalten. Meinen Anblick auch nicht.
Tag 1
Es ist jetzt kurz nach 18 Uhr Montag Abend. Ich habe die OP gut überstanden und es gibt keinen Grund mehr sich Sorgen zu machen. Leider gibt es hier doch nicht wie versprochen einen Internetanschluss, daher weiß ich auch nicht wann euch diese Zeilen erreichen. Mit ein bisschen Pech erst Donnerstag Abend, wenn ich wieder zu Hause bin, aber dafür gibt es denn meine komplette Krankenhausgeschichte am Stück zu lesen.
Los ging es heute früh erstmal mit einem schönen Zäpchen. Da hat ich irgendwie schon gar keinen Bock mehr. Es geht doch um meine Nas*e, warum muss mir dafür denn was in den Po gesteckt werden? Wahrscheinlich hätte es stattdessen auch ‘ne Tablette gegeben, aber das ist bestimmt so ‘n Krankenschwesternding und die machen sich da ‘nen Spaß draus. Aber ich habs ja überstanden.

Von der eigentlichen OP hab ich ja gar nichts weiter mitbekommen und als ich wieder aufgewacht bin, lag ich, in jedem Nas*enloch ein Tam*pon, in meinem Bett. Seit dem lieg ich hier unverändert und setzte mich mit meinen Schmerzen auseinander. Meine Nas*e sieht durch die T*am*pon*agen aus wie so eine platte Bo*ern*se und ist mindestens doppelt so groß wie normal. Aber eigentlich geht es mir relativ gut. Mein Zimmergenosse hatte die geleiche OP und dem geht es hundeelend. Dafür wird er aber auch die ganze Zeit besucht, seine Mutter und Freundin waren von früh um acht an den ganzen Tag da, teilweise auch Vater und Opa. Und ich lieg hier halt so rum und hoffe das möglichst schnell Donnerstag ist und ich wieder raus darf. Das Essen hier ist ein wenig dürftig. Hab den ganezn Tag nix gekriegt, aber das lag wahrscheinlich noch an der Narkose, aber auch das Abendbrot bestand nur aus zwei Scheiben Brot mit Wurst und einem kleinen Gries hinterher. Hab mir noch ‘ne Stulle nachgeordert, die gabs denn aber ohne Wurst… Hoffenlich wird das morgen mehr.

Tag 2
Es ist jetzt etwa 5 Uhr morgens. Seit dem meine kombinierte Schmerz-und-Schlaf-Tablette etwa gegen zwei aufgehört hat zu wirken, hab ich keine Auge mehr zu getan. Ich habe den dringenden Verdacht, dass die Schmerzen eher schlimmer werden als besser. Mein ganzer Kopf fühlt sich an als würde er zerplatzen und meine Nas*e fühlt sich nicht nur in konzentriertem Maße genauso, sonder macht auch optisch den Eindruck als könnte sie dem Druck der T*am*ponagen nicht mehr all zu lange stand halten. Ebend habe ich festgestellt, dass es sich bei dem vermeintlichen Nas*ensekret, welches in an meiner T*am-ponage vorbeifließen fühlen konnte, natürlich um Blut handelt. Hab mich also erstmal ein bisschen geputzt hier im Bad, damit ich, wenn die Schwester mir das Frühstück bringen will nicht aussehe als hätte ich heute früh schon ein Reh gerissen.

In Anbetracht der Tatsache, dass hier zwei erwachsene Männer liegen und die ganze Nacht jammern, dass man meinen könnte, es handele sich hier um das Sterbezimmer, kann ich jedem, bei dem dieser Eingriff nicht absolut erforderlich ist nur davon abraten. In diesem Sinne versuch ich jetzt noch eine Stunde zu schlafen und hoffe denn, dass ich mein Frühstücksbrötchen beim örtlichen Krankenhausdealer gegen ein paar Schmerztabletten eingetauscht kriege.
Inzwischen ist es halb zehn, ich habe nach gefühlten drei Wochen endlich den OP Kittel aus- und mir mal wieder ein T-Shirt und eine Hose angezogen. Hab grad mit Kerem, meinem Zimmer- und Leidensgenossen, eine kleine Runde durch das Krankenhaus gedreht, immer auf der Suche nach einer Internetbuchse, aber es sind alle Buchsen tot. Es ist nicht zum aushalten. Aber naja, dadurch hab ich Zeit mich auszuruhen. Dank den Schmerztabletten zum Frühstück geht es mir auch halbwegs, so dass ich es vielleicht doch gleich noch schaffe ein wenig in meine Uni Sachen zu gucken. Danke für all die lieben Genesungswünsche und bis später.

Es ist jetzt 17Uhr und gerade wurde das Abendbrot serviert. Ich habe fast den ganzen Nachmittag geschlafen, weil meine Augen durch den Druck der Tam*pon*age weh tun und mir das Fernsehen gucken dadurch vermiesen. Olli Geissen hab ich natürlich trotzdem geguckt. Auch unter Schmerzen. Die letzte halbe Stunde hab ich wie ein Greis regunglos auf dem Balkon gehockt, eine Decke über’m Schoß, und mir die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Irgendwie sind Krankenhäuser voll gruselig, ich weiß auch nicht, aber ich fühl mich hier unwohl, obwohl die Schwestern sich echt kümmern und der Doktor auch einen sympathischen Eindruck macht. Appropo, ich konnte vorhin kurz mit ihm sprechen. Er meinte bei meiner OP wäre alles reibungslos verlaufen, die Stirnhöhle sei wieder frei und die Nas*ens*cheid*ewand gerichtet. In der Stirnhöhle befand sich übrigens doch zum größten Teil Sekret und nur ganz wenig Gewebe. Morgen früh um elf ist das erste was er macht, mir und meinem Leidensgefährten die Ta*pona*gen zu entfernen. Ich habe ganz ehrlich ziemliche Angst davor, da mir, so lange ich auch überlege, keine Methode einfällt die Tam*pona*ge, die inzwischen ja fest von innen mit meienr wunden Nas*e verwachsen ist, schmerzfrei zu entfernen. Ich hoffe dem Dok fällt da etwas ein.
Eben gerade habe ich noch eine ganz fantastische Entdeckung gemacht. Bisher hat mir Kerem immer Kühlakkus für meinen Kopf mitgebracht, wenn er sich welche geholt hat. Eben bin ich einmal selbst gegangen und habe festgestellt, dass es in dem gleichen Kühlschrank auch gratis Eis gibt. KleineBecher mit Vaniilieeis. Ich steh auf Eis! Meine Mission für die Nacht lautet also so viel Eis wie möglich zu essen. Immerhin habe ich die ersten anderthalb Tage nicht von dem Eis gewusst, weild die Schwestern mir diese Information wahrscheinlich absichtlich vorenthalten haben. Die Menge die ich in der Zeit geschafft hätte muss ich also mindestens nachholen. Die Becher sind nur etwa doppelt so groß wie Fruchtzwerge-Becher. So zehn bis fünfzehn Becher sollte ich also locker schaffen.
Tag 3
08:00 Uhr
Ehrlichleit ist grundsätzlich eines der höchsten Güter. Ich bemühe mich stets andern Menschen gegenüber aufrichitg zu sein und erwarte dies auch von meinen Mitmenschen. Aber es gibt Momente, in denen möchte man die Wahrheit einfach nicht hören. Ich meine diese Art von Momenten in denen die Wahrheit so offensichtlich ist, dass man lieber eine charmante Lüge hören würde als doch tatsächlich mit der unvermeidbaren Wahrheit konfrontiert zu werden.
Der Dok meinte gestern, wenn er heute kommen würde um die Tam*ponage zu entfernen, wäre das links und rechts ein kleiner Ruck und alles wäre vorbei, von Schmerzen hat der Mann nichts gesagt. Nun bin ich ja aber nicht auf den Kopf gefallen (auch wenn ich im Moment so aussehe haha, was für’n Brüller…) und kann mir schon vorstellen wie es sich anfühlen muss, wenn mir zwei Schwestern den Kopf festhalten, ein kräftiges Doktorenbein sich an meinem Bett und eine kräftige Doktorenhand sich an meinem Kopf abstützen und die verbleibende Doktorenhand, die kräftigere von beiden, mit großem Ruck die, inzwischen fest mit meinem Körper verwachsenen Ta*mp*on*agen aus meinen zarten Nas*enlöchern zieht. Doch zurück zum Thema Ehrlichkeit. Gerade eben war eine eigentlich ganz netteSchwester bei uns im Zimmer und brachte uns schon mal Schmerztabletten für das bevorstehende Ereignis. Sie meinte es tut nur kurz weh, in dieser kurzen Zeit aber „unheimlich“ dann sagte sie glaube ich noch etwas von dem schlimmsten Schmerz der Hölle auf Erden gefolgt von dem guten alten Quentin Tarantino Zitat:“Tut weh, wie ein abgerissener Schwanz“. Wobei ich bei den beiden letzten Aussagen gar nicht so sicher bin ob die wirklich von ihr, oder aus meiner Phantasie stammen… Jedenfall hat die gute Frau auch ein Schüssel mitgebracht in der ich das ganze Blut auffangen kann, dass ich verlieren werde und auch der Fakt, dass ich noch eine Kanüle in der Hand stecken habe, damit bei drohender Ohnmacht schnell reagiert werden kann, trägt nicht wirklich zu meiner Beruhigung bei.
Eine ganz große Enttäuschung habe ich auch noch erlebt. Ich habe gestern Abend lediglich fünf Becher von dem gratis Eis geschafft. Mal achtzig Gramm, habe ich nur lächerliche 400 Gramm Eis gegessen… Ich bin schwer enttäuscht ob meiner eigenen Leistung. Jeder drei jährige hätte mehr geschafft, aber wenn nach*her erstmal die T*amp*ona*gen raus sind, kann ich sicherlich zu wahrer Höchstform auflaufen.
So, ich werde jetzt mal gucken was das morgentlichen Unterschichten-TV zu bieten hat, während ich auf das Frühstück warte, und wenn ich mich das nächste mal melde sollte ich eigentlich schon etwas besser aussehen.

15:45Uhr
Der Dok kam natürlich nicht um elf, sondern erst um zwölf. Ich hatte also genügend Zeit meine Angst voll zu entwicklen und noch eine ganze Weile Freude an ihr. Zum Glück stimmte die Höllenschmerztheorie der Schwester nicht. Die „alles-ist-rosa-und-glitzert-Theorie“ vom Dok aber leider auch nicht. Der gute Mann war ziemlich kurz angebunden, meinte ich soll nicht solche Angst haben und drückte mir eine von diesem klassischen Pappschälchen in die Hand die man aus diversen Ärzteserien kennt. Und dann ging es auch schon los. Die in meinen beiden Nas*enlöchern befindlichen Tam*pon*ag*en waren über einen Faden außen vor meiner Nas*e zusammengebunden, sodas der Dok quasi nur an diesem Stück Faden anfassen und kräftig zu ziehen brauchte. Mit einem wiederlich schmatzenden Geräusch verabschiedeten sich die beiden Tam*pon*s aus meinen Nas*enlöchern. Die kleinen Biester waren wesentlich länger als ich vermutet hatte, aber zu meinem großen Erstaunen hielt sich meine Nachblutung in Grenzen. Ganz anders bei Kerem. Dadurch da seine Nas*e früher schon einmal gebrochen war, sah das ganze bei ihm schon wesentlich ekl*iger aus. Die ersten Stunden waren echt unangenehm, aber nachdem ich jetz mehrmals vorichtig mit warm Wasser den Nas*eneingang geputze habe, geht es mir jetzt schon entschieden besser. Ein großer Nachteil der nun wieder freien Nas*e ist mein zurückgewonnener Geruchssinn. Die Salbe, mit der ich jetzt meine Nas*e von Innen bestreichen muss stinkt nämlich gar wiederlich. Und auch wenn ich an das Abendbrot denke, hab ich schon überlegt mir die Pfropfen vielleicht einfach wieder reinzustecken.

Nachdem es den ganzen Vormittg geregnet hat, scheint nun endlich wieder die Sonne und da auch meine Schmerzen in der Nas*e zur Zeit freundlicher Weise sehr zurückhaltend sind, werde ich jetzt endlich mal ein wenig in meine Bücher gucken. Ich habe bis Montag noch verdammt viel aufzuholen und hoffe ich schaffe das alles.
Tag 4
10:17 Uhr
Ich habe es so gut wie überstanden, heute darf ich endlich nach Hause. Meine Nas*e ist nach wie vor wund und tut weh, aber das ist wohl normal und wird auch noch ein wenig so bleiben, ist ja schießlich ein sehr empfindliches Organ, diese Nas*e. Nach*her wird meine Nas*e noch einmal gespült und wenn alles gut verläuft, war es das fürs erste. Das Spülen klingt aber irgendwie nochmal ek*lig. Angeblich haben die hier so kleine Alu-Nas*enduschen die, in die Nas*e gesteckt, in alle Richtungen sprühen. Hoffentlich kitzelt das nicht, Niesen wäre im Moment echt das aller Letzte was ich gebrauchen könnte. Ansonsten gibt es nicht viel Neues, woher auch, wenn ich den ganzen Tag nur rumliege. Meine Eisstatistik hat sich inzwischen auf neun Becher erhöht. Ich guck noch ein wenig O.C. auf Pro7 bis der Dok zur Spülung und Endabnahme kommt.
Bis bald und danke an alle die mich mit SMS und Anrufen bei Laune gehalten haben.
eric